Rupprecht Weerth - NLP und Imagination

Grundannahmen, Methoden, Möglichkeiten und Grenzen


Junfermann Verlag, Paderborn, 1992, S. 27 ff

 

Leseprobe:

1.4 Definition und allgemeine Ziele

Neurolinguistisches Programmieren kann im Rahmen dieser Arbeit jetzt definiert werden als

- ein nach dem Nützlichkeitsprinzip organisiertes,

- sich ständig selbst korrigierendes und erweiterndes

- Modell über die Bildung, die Struktur und die Veränderbarkeit von menschlichen Modellen,

- also als ein Modell des Modellbildungsprozesses, ein Meta-Modell (Grinder, 1980/1985, S. 12; Dilts et al., 1980/1985, S. 35).

Gütekriterium ist somit die praktische Relevanz des Modells, woraus sich für NLP bis heute zwei Hauptziele ergeben. Sie sind im wesentlichen bereits genannt worden; an dieser Stelle sollen sie noch einmal zusammengefaßt und ergänzt werden.

Dilts et al. (1980/1985, S. 27 f.) greifen bei der Darstellung ihrer Ziele auf die Entscheidungstheorie von Cronbach und Gleser (1965) zurück: Bei allen menschlichen Aktivitäten wirken Umweltvariable (Einschränkungen, die der Kontrolle entzogen sind) und Entscheidungsvariable (Wahlmöglichkeiten, die Kontrolle ermöglichen) zusammen. Bestimmte Meta-Programme, Werte, Glaubenssätze, Erinnerungen können durch ungünstige Generalisierungen, Tilgungen und/oder Verzerrungen zu einem Modell von der Welt und vom eigenen Ich führen, in dem die Umweltvariablen (andere Menschen, Krankheiten, Sachzwänge, eigene Veranlagung etc.) als übermächtig empfunden, Entscheidungsvariable (eigene Wahlmöglichkeiten) aber übersehen werden. Wer ein solches Modell mit der Wirklichkeit verwechselt, ist in einem unproduktiven Zustand befangen, in dem angemessenes Verhalten kaum mehr möglich ist (vgl.1.3.1).

Erstes Hauptziel von NLP ist es, seinen Klienten (Einzelnen, Paaren oder Gruppen) zu helfen, sich aus derartigen, scheinbar ausweglosen Zuständen zu befreien, also möglichst viele Umweltvariable in Entscheidungsvariable zu überführen, indem es ihnen zu einer realitätsbezogenen bzw. nützlichen Korrektur ihrer kognitiven Repräsentationen und damit zu mehr Wahlmöglichkeiten verhilft. Dies gilt zunächst für einzelne kognitive Korrekturen in relevanten Situationen oder Problembereichen, dann aber vor allem auch generierend, indem den Klienten auf einer Meta-Ebene Mechanismen kognitiver Verhaltenssteuerung beigebracht werden, die sie anschließend für unterschiedliche Belange in beliebigen (zukünftigen) Kontexten selbst anwenden können.

Dieses Bemühen gilt also im wesentlichen der Reparatur bei (bereits) vorhandenen Schwierigkeiten, der Anleitung zur Selbsthilfe und der Prophylaxe zukünftiger Schwierigkeiten (Dilts et al., 1980/1985, S. 29 ff.). Wesentliche Teile dieses Prozesses werden in Kapitel 5 und 6 vorgestellt.

Zweites Hauptziel ist es, erfolgreiche Verhaltensstrategien und Fähigkeiten, über die bestimmte Menschen oder eine Gruppe von Menschen verfügen - in ihrer vollständigen Natur, d.h. mit allen bedeutsamen externen und internen Komponenten -, in effiziente, überschaubare Sequenzen aufzuteilen, so daß sie bei Bedarf und nach der erforderlichen individuellen Anpassung, auf andere Menschen oder Gruppen übertragen werden können. Oder aber es wird einem Klienten, der eine in einem bestimmten Kontext erfolgreiche Strategie entwickelt hat, gezeigt, wie er diese durch Generalisierung auf andere Kontexte übertragen kann.

Dieses Bemühen gilt also im wesentlichen der Kompetenzerweiterung und jeder Art von Verbesserung der Lebensqualität (Dilts et al., 1980/1985, S. 22 f., 35). NLP verwendet für einen solchen Prozeß der intra- und interpersonellen Kompetenzübertragung den gleichen Namen wie für die spontane Modellbildung (vgl. 1.3.1): Modellieren (modeling). Es ist der gleiche Prozeß, durch den auch NLP selbst und seine einzelnen Interventionsformen entstanden sind und nach wie vor weiter entstehen ...