Robert B. Dilts - Die Veränderung von Glaubenssystemen

NLP Glaubensarbeit


Junfermann Verlag, Paderborn, 1993, S. 39 f

 

Leseprobe:

 

Glaubenssätze über die eigenen Fähigkeiten

Glaubenssätze und die Erfahrung des Mißerfolgs

Ich möchte mich zu Beginn unserer Arbeit an Glaubenssätzen mit Glaubenssätzen über Fähigkeit und Versagen beschäftigen. Wenn man glaubt, man werde versagen, so erzeugt man dadurch eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Wenn ich beispielsweise schon zwanzigmal versucht habe, abzunehmen, und jemand erzählt mir dann, er kenne eine neue NLP-Technik, die beim Abnehmen helfe, dann werde ich sagen: »Das ist alles gut und schön, aber es wird nichts bewirken, weil bei mir noch nie etwas gewirkt hat.« Zwanzigmal ist der Beweis des Fehlschlags erbracht worden. Deshalb glaube ich sowieso nicht mehr daran, daß irgend etwas seinen Zweck erfüllen könnte. Dieser Glaubenssatz spielt eine wichtige Rolle.

Das Gegenteil sind Menschen, die glauben: »Wenn ich einen Erfolg visualisiere, werde ich in der Lage sein, ihn zu erreichen.«

Ich habe einmal eine Geschichte über zwei Gruppen von Turnern gehört. Die Angehörigen der einen Gruppe wurden instruiert, sich selbst zu visualisieren, wie sie eine bestimmte Bewegung auszuführen vermögen, während die andere Gruppe keinerlei Instruktionen erhielt. Ein paar Wochen später sollten sie diese spezielle Bewegung ohne vorheriges Training vorführen. Bei der instruierten Gruppe lag die Erfolgsrate bei 50-60 Prozent, während sie bei der nicht instruierten Gruppe bei nur 10 Prozent lag.

Doch was war mit den 40-50 Prozent der erstgenannten Gruppe, die die Bewegung trotz des Visualisierens nicht ausführen konnten? Dazu habe ich herausgefunden: Wenn jemand ein sehr klares Bild von sich selbst hat, wie er erfolgreich ist, jedoch nicht an sich selbst glaubt, dann sagt der Betreffende sich: »Ich werde niemals in der Lage sein, das zu tun. Das ist nichts weiter als eine unrealistische Erwartung oder eine falsche Hoffnung.«

»Je klarer ich es sehe, um so stärker wird mein Gefühl, daß ich wahrscheinlich nicht in der Lage sein werde, es zu tun. «

Dies ist ein Beispiel dafür, wie Glaubenssätze die Visualisierung beeinflussen können. Die Fähigkeit zu visualisieren ist eine Funktion der eigenen Fähigkeiten, doch was der Visualisierung Bedeutung gibt, ist der Glaube.

Ich kenne Menschen, die sich davor fürchten, sich selbst als erfolgreich zu sehen, weil sie davon überzeugt sind, daß sie dann nicht in der Lage sein werden, es tatsächlich zu sein. Das veranschaulicht die Beziehung zwischen Glaubenssatz und Strategie. Um etwas in die Tat umzusetzen, ist mehr erforderlich, als nur zu wissen, wie man es machen muß. Wenn ich davon überzeugt bin, daß ich versagen werde, kann mich selbst die beste Erfolgsmethode nicht davon abhalten, zu versagen. Das Umgekehrte ist jedoch genauso zutreffend. Wenn man an ein Placebo glaubt, dann funktioniert es auch.

Ich habe einmal einen Erfinder interviewt, der ein bestimmtes optisches Gerät erfunden hatte und dazu viele Versuche hatte durchführen müssen, bis es schließlich perfekt war. Ich fragte diesen Mann, wie er es geschafft hätte, seinem Ziel treu zu bleiben und alle diese Mißerfolge durchzustehen. Er antwortete, er habe sie nicht als Mißerfolge verstanden, sondern als Lösungen zu anderen Problemen, die mit dem, um dessen Lösung es ihm ging, nicht identisch waren.

Wie gelangt ein Mensch zu einer solchen Einstellung? Das ist eine Funktion des Glaubens, keine Funktion der Realität. Der Erfinder glaubte einfach, daß es Lösungen für andere Probleme waren, und auf diese Weise wurden sie zu Ressourcen, statt Fehlschläge zu sein.

Ich möchte mich nun ein wenig mit dem Thema des Mißerfolgs beschäftigen. Ob etwas als Feedback oder als Mißerfolg verstanden wird, ist besonders in den "Krisen"-Situationen wichtig, die ich im vorangegangenen Kapitel erwähnt habe, in den Situationen also, in denen die Erwartung eines Menschen hinsichtlich einer bestimmten Fähigkeit und seine tatsächliche Leistung am weitesten auseinanderklafft.