Robert B. Dilts u.a. - Identität, Glaubenssysteme und Gesundheit

NLP Veränderungsarbeit


Junfermann Verlag, Paderborn, 1993, S. 127 ff

 

Leseprobe:

Demonstration: Glaubenskonflikte

 

Dee hat die meiste Zeit ihres Lebens an Asthma und Allergien gelitten. Besonders auf Katzen hatte sie sehr ernste Reaktionen. Robert ließ Dee ihren gegenwärtigen Zustand (Asthma und allergische Reaktionen auf Katzen) mit ihrem erwünschten Zielzustand vergleichen - sich gesund fühlen und verhalten, und, sich so fühlen, wie wenn sie Katzen ausgesetzt ist. Als Robert sie fragte, was sie davon abhielte, ihr Ziel, gesund zu sein, zu erreichen, hatte sie ein Gefühl, das sie als "hilflos und wertlos" beschrieb, zugleich aber auch Wut, die damit verbunden war. Er ankerte dies Gefühl und bat sie, sich von diesem Gefühl in der Zeit zurückführen zu lassen, um seinen Ursprung zu entdecken. Sie entdeckte eine Serie von Erfahrungen, wo ihre Eltern sich stritten und miteinander kämpften und sie ignorierten, als sie ein Kleinkind war. Es ist immer erstaunlich, wie man ein bekanntes Gefühl bei einem Erwachsenen ankern und dies Gefühl nutzen kann, um den Klienten zu präverbalen Erfahrungen zurückzuführen. Es ist normalerweise der einfachste und schnellste Weg, eine Altersregression zu erreichen, um den Ursprung von problematischen Prägungen zu finden.

Die Erfahrungen, die Dee zurückrufen konnte, hatten damit zu tun, daß sie in ihrem Kinderbettchen lag und weinte und Zuwendung bzw. Aufmerksamkeit brauchte, aber diese Aufmerksamkeit nicht bekam, weil ihre Eltern miteinander stritten. An diesem Punkt in der Arbeit mit Dee nutzte Robert das Verfahren des Re-Imprinting, wie in Kapitel IV beschrieben, zugeschnitten auf Dees spezifischen Fall.

Wenn man einer Person geholfen hat, die angemessenen Ressourcen zu gewinnen, die nötig waren, um die Probleme aus der persönlichen Vergangenheit zu lösen, die zu dem einschränkenden Glaubenssatz geführt hatten, kommt es oft vor, daß diese Person immer noch nicht an ihre Ressourcen in solcher Weise organisiert hat, daß sie ihr erwünschtes Ziel erreicht. Wie schon erwähnt, sind diese Ressourcen oft in getrennten" Teilen" organisiert oder in Aspekten der persönlichen Identität und stehen nicht in einer integrierten Weise zur Verfügung.

Die nun folgende Demonstration beginnt an der Stelle, wo Robert die Ergebnisse des Re-Imprinting mit Dee testet und einen größeren Konflikt entdeckt.

Robert: Geh zurück zu diesem Teil hier unten. (Führt ihre Augen zu der Position, in der sie waren, als sie das Gefühl von Hilflosigkeit während des Re-Imprinting hatte.)

Dee: Ich fühle mich neugierig und verängstigt. Robert: Über ... ?

Dee: Ich spüre einen Anflug von Gefahr, als ob dort draußen etwas ist, das irgendwie erschreckend ist.

Robert: Was ist es, das immer noch da draußen ist? Was ist es, das du noch brauchst?

Dee: Was mir als erstes einfällt, ist, daß ich eine Garantie brauche, daß ich nicht verletzt werde, aber ich glaube, das wird nicht passieren. Ich habe das Gefühl, als wenn dort eine Art Zerstörung ist. Robert: Ist es, daß "etwas" dich zerstören würde?

Dee: Ja. Es würde mich zerstören.

Robert: Weißt du, was es ist?

Dee: Es fühlt sich an wie ein schwarzes Loch.

(Zur Gruppe:) Hier ist ein Bild, das "sich anfühlt wie ein schwarzes Loch". Beachtet, daß Dee nach hier unten schaut, ein bißchen zu ihrer rechten Seite. Ihre Pupillen sind erweitert und sie beschreibt eine Farbe. Ihre Augenposition zeigt Gefühl an, und sie beschreibt zudem auch eine Farbe. Dies ist eine Synästhesie. Synästhesie ist, wenn man mehr als ein Repräsentationssystem zur selben Zeit erlebt. Das macht es für die Person oft schwieriger, innerlich einen Sinn in unangenehmen Erlebnissen zu finden - es ist, als wenn die Erfahrung in ihrem Geist weniger gut sortiert ist. Statt ein vollständiges Bild oder ein Geräusch zu bekommen, scheint es eher bruchstückhaft zu sein, und von innen heraus schwer zu entziffern. Es ist, als wenn es ein Bild gibt, Geräusche gibt, aber sie strömen nur gerade eben unterhalb der bewußten Ebene. Meist ist sich die Person nur eines unangenehmen Gefühls bewußt. Ich sollte noch darauf aufmerksam machen, daß eine Synästhesie nicht immer dysfunktional ist, sondern oft assoziiert damit, ressourcevoll zu sein. Zum Beispiel benutzte Mozart Synästhesien in seinen kreativen Strategien. Bei einschränkenden Glaubenssätzen ist es allerdings so, als wenn die Gedanken in einer einzigen verwirrenden Repräsentation zusammengeklebt sind, wo man nicht klar sehen oder hören kann, was drinnen vorgeht.

(Zu Dee:) Du hast Angst, daß du irgendwie in dieses "schwarze Loch" hineingesaugt wirst und vielleicht nie wieder herauskommst?

Dee: Ja.

Robert: Und du möchtest so etwas wie eine Garantie dafür, daß du hinein- und hinausgehen kannst, was immer auch dieses schwarze Loch repräsentiert?

Dee: Ja.

Robert: Dieser hier sagt, keine Garantien (zeigt auf den Teil), aber ich würde dir nicht helfen, es zu tun, wenn wir nicht wenigstens garantieren könnten, daß du nicht zerstört würdest. Wie könntest du das explorieren und garantieren, daß du hineingehen könntest ohne zerstört zu werden? Was ist die Ressource, die du brauchst? In anderen Worten-

Dee: Ich fühle, daß es außerhalb von mir ist... als wenn dort draußen etwas Reales wäre, das mich zerstören könnte.

Robert: Wo draußen?

Dee: Da draußen in der Ferne (zeigt).

Robert: Ist es innerhalb deiner Erinnerungen, diese Ferne? Dee: Nein, es ist in der Ferne da draußen (zeigt).

(Zur Gruppe:) Dies ist eine interessante Sache. Ist es da draußen (zeigt weg von Dee) oder ist es hier drinnen (zeigt auf ihren Körper). (Zu Dee) Ist es ein Teil von dir? Wir wollen nicht, daß du zerstört wirst, und wir wollen nicht sagen, daß etwas nicht real ist, wenn es real ist. Du hast ein Gefühl von Neugier jetzt .. ,

Dee: Ja. Ich bin wirklich neugierig.

Robert: Wie kann man dabei vorgehen, etwas zu erforschen, was weit draußen in der Ferne ist, ohne daß es das eigene Leben gefährdet? Dafür hat man übrigens Augen. Wenn ich sehe, daß dort drüben etwas passiert (zeigt weg von Dee), weiß ich allein dadurch, daß ich es sehe, daß es da ist. Ich habe dann mehr Schutz für mein Leben, als wenn ich nie soweit gegangen wäre.

Dee: Das Problem ist, daß es dunkel ist. (Lacht)

Robert: Es scheint, als gibt es eine Ressource, die du brauchst, SO daß du nicht hingehen mußt, sondern es dir zuerst anschauen kannst. Was wäre, wenn du Licht hättest? Wenn du einige deiner Ressourcen, zu visualisieren, mit zu der Situation nimmst, würde das helfen?

Dee: Ja.

Robert: Mach folgendes. Richte deine Augen nach hier unten (deutet dorthin, wo Dee die Stelle des schwarzen Lochs gezeigt hatte), so daß du ein Gefühl dafür bekommst, was es ist - und es ist weit draußen in der Ferne. Es ist nicht nah genu8- um gefährlich zu sein. Und indem du es in der gleichen Entfernung hältst, schau nach oben und sieh es draußen in der Ferne. Laß es nicht näher an dich herankommen, so daß es dich gefährden könnte.

Dee: Ja. Es fühlt sich an wie ein Strudel.

Robert: Was siehst du? Fühle es nicht, sieh es.

Dee: Es ist schwer, Licht darauf zu bringen. Ich fühle Licht überall um es herum, aber ich fühle kein Licht darauf, und es fühlt sich an wie ein Strudel, der mich einsaugen und mich zerstören könnte. Robert: Es ist eine andere Art der "Nebelwand". Du kannst also kein Licht darauf bringen. Was ist es? Vielleicht ist es ein anderer Teil von dir.

Dee: OK. Ich sehe es jetzt. Es ist ein Teil, der sehr impulsiv und verrückt ist.

(Zur Gruppe:) Wir sind bei einem Identitätsthema gelandet. Sie sagt:

"Es ist ein Teil, der Ich sein könnte. Ich könnte in das hineinfallen und sehr impulsiv und verrückt sein." Das ist sehr real. Ich kenne Leute, die dieser Art von Impulsen nachgegeben haben. Diejenigen von euch, die mit anderen Menschen arbeiten, haben wahrschein-

lieh Leute gesehen, die in dieser Art Strudel agieren. Ich habe vorhin schon erwähnt, daß einige Leute versuchen, einen Teil wie diesen in ihrem eigenen Irrenhaus einzusperren, oder ihn in einem Käfig halten, so daß sie ihn meiden. Wenn man das tut, wird man nie fähig sein, den Konflikt zu lösen und er wird immer da sein, warten, um dich in den Strudel zu saugen.

(Zu Dee:) Was versucht der Teil dort draußen für dich zu tun? Will er dich aufsaugen und dich zerstören?

Dee: Es ist, als wenn die Neugier mich dazu bringt, hineingehen zu wollen. Es ist, als wenn die Neugier auch gefährlich ist.

Robert: "Die Neugier brachte die Katze um" (Dee hat eine ernste Allergie auf Katzen), aber mach dir nichts draus, "Katzen haben neun Leben". (Gelächter) In gewisser Weise geschehen hier zwei Dinge. Der Teil selbst ist impulsiv, nicht unbedingt neugierig.

 

Dee: Nein, er ist sehr gefährlich. Es ist wie der reine Impuls. Er denkt überhaupt nicht.

Robert: Ist das seine Absicht? Frag den Teil, ob er die Absicht hat, dich zu zerstören und dich aufzusaugen und völlig impulsiv zu sein.

Dee: Nein. Er will Spaß, Aufregung und Abenteuer.

Robert: Er möchte also Spaß, Aufregung und Abenteuer. Er will keine Lebensbedrohung und strudelmäßig-einsaugende Zerstörung.

Dee: Stimmt.

Robert: Du hast jetzt die Katze aus dem Sack gelassen und entdeckt, daß ihre Zähne und Krallen nicht so scharf sind, wie du gedacht hast. Hattest du jemals eine Katze als du klein warst?

Dee: Nein.

Robert: Hast du überhaupt jemals ein Tier gehabt? Dee: Nein.

Robert: Jemals, soweit du dich erinnern kannst? Dee: Ja.

Roben: Dieser Teil möchte Spaß und Aufregung, und du hast diesen anderen Teil mit der Neugier. Es ist die Kombination von Neugierig-Sein mit Spaß und Aufregung, die dich darin festhalten könnte. Mit anderen Worten enthält der Strudel zwei Dinge, die sich aufeinander beziehen. Der Strudel ist weder der eine Teil noch der andere. Welche Ressource würdest du brauchen, um in der Lage zu sein, Spaß und Aufregung und alles, was der Teil möchte, zu haben, aber nicht darin gefangen zu sein und zerstört zu werden? Mit anderen Worten, damit du nicht deine Identität verlierst und in das Chaos aufgesaugt wirst?

Dee: Mein erster Gedanke war, es zu analysieren, aber wenn ich es analysiere, geht alle Neugier weg.

Robert: Wenn du es also analysierst, geht all die Neugier weg, und wenn du neugierig wirst, gibt's keine Analyse.

Dee: Genau.

(Zur Gruppe:) Was wir wiederum hören, sind dissoziierte Prozesse. Wie kriegen wir Analyse und Neugier zusammen? Hier sind zwei Ressourcen, die keine Möglichkeit haben, zusammenzuarbeiten. Ist es eine Strategie? Wie kannst du neugierig und analytisch gleichzeitig sein?

(Zu Dee:) Laß uns uns mit dem neugierigen Teil beschäftigen. Wo ist dein neugieriger Teil?

Dee: Ich bin jetzt neugierig.

Robert: Ohr So, du bist also neugierig. Wo ist der analytische Teil von dir?

Dee: Er schaut gewissermaßen zu.

Robert: OK. Diese beiden haben keine große Überlappung miteinander. Laß uns jeden in eine Hand setzen.

Dee: Dies würde die Analyse sein (zeigt mit der rechten Hand). Sie hat einen Geschäftsanzug an.

Robert: Wahrscheinlich angemessen. Sie hat einen Geschäftsanzug an. Laß uns zu diesem Teil gehen (zeigt auf die linke Hand). Wie sieht dein neugieriger Teil aus?

Dee: Das ist die Künstlerin.

Robert: Sie ist also Künstlerin. Dee: Mhm.

Robert: Wie sieht der andere Teil von dir da draußen aus? (Zeigt) Der "Spaß-Aufregungs-Teil"?

Dee: Eine Menge Schwierigkeiten (lacht). Robert: Wie sieht sie aus da draußen?

Dee: Das möchte ich dir nicht erzählen. Das muß ich zensieren (lachend).

Robert: Das ist in Ordnung. Wir können es an deiner Physiologie und der Veränderung deiner Hautfarbe erkennen. Wiederum haben wir

dissoziierte Erfahrungen. Was denkt die analytische von der anderen Seite, wenn sie hinüberschaut zu der kreativen Seite?

Dee: Sie denkt nicht viel über sie. Sie ist frivol.

Robert: Sie denkt, sie ist frivol. Ist es ihre Absicht (zeigt zur linken Hand), frivol zu sein?

Dee: Mhm.

Robert: Sie will frivol sein? Das ist ihr Lebensziel?

Dee: Ja. Sie will neugierig sein und Bilder malen und kreativ sein, und nicht Geld verdienen.

Robert: Und nicht Geld verdienen oder kümmert sie sich nur nicht darum?

Dee: Sie kümmert sich nicht darum, was dazu führt, das sie kein Geld verdient.

Robert: Bewegt sie sich weg vom Geld? So hast du es zuerst gesagt. Dee: Nein, sie geht nicht weg davon, sie wird einfach nur in "Dinge" involviert, die nichts mit Geldverdienen zu tun haben. Sie ist in keinster Weise verantwortlich für irgend etwas. Sie bezahlt keine Rechnungen und macht das Waschbecken im Badezimmer nicht sauber und ...

Robert: Aber sie ist dennoch auch notwendig. Dee: (Zögern)

Robert: Nun laß einmal diese (zeigt zur linken Hand) zu dieser hinschauen (zeigt auf die rechte Hand).

Dee: Sie denkt, die andere ist langweilig.

Robert: Großartig! Du hast also eine Auswahl zwischen langweilig-sein und frivol-sein (Gelächter). Das erinnert mich an eine Zeile in einem Woody Allen-Buch. Er sagt: "Auf der einen Seite gehen wir auf äußere Zerstörung und Verdammung zu, und auf der anderen Seite auf Verschwendung und Sinnverlust. Ich hoffe bei Gott, daß wir eine glückliche Hand dafür haben, die richtige Wahl zu treffen." (Gelächter).

(Zur Gruppe:) Ihr könnt anfangen zu sehen, wie Double-Binds auftreten. Wenn sie das Waschbecken reinigt, ist sie verantwortungsbewußt, aber langweilig. Wenn sie das andere macht, ist sie kreativ, und es gibt ihr etwas von Bedeutung, aber sie ist frivol. Es ist letztlich wieder exzitatorisch (anregend) und inhibitorisch (hemmend). Wir haben außerdem noch diesen anderen Teil (macht eine Handbewegung dorthin) dort draußen, zu dem wir noch zurückkommen werden.

Wir wollen zu dem Punkt kommen, wo wir herausfinden können, wie wir jeden dieser Teile dazu bringen können, zusammen zu arbeiten.

(Zu Dee:) Diese hier (zeigt zur rechten Hand) muß auch Ressourcen in der hier (zeigt auf die linke Hand) finden.

Dee: Sie schätzt die Kreativität.

Robert: Du siehst, Kreativität kann auch etwas Praktisches sein

,

denn wenn du nur an mechanischen Verhaltensweisen klebst, tust du vielleicht etwas, das unpraktisch ist, einfach nur aus Gewohnheit.

Dee: Mhm.

Roben: Genauso muß diese (rechte Hand), wenn du kreativ bist, (linke Hand) das umsetzen. Dies ist diejenige, die dafür sorgt, daß Dinge in der realen Welt stattfinden.

Dee: Sie (linke Hand) hat wirklich viel Wertschätzung für diese (rechte Hand). Nur denkt sie einfach, sie ist langweilig.

Robert: Aber sie sieht ihren Wert.

Dee: Ja, sie sieht ihren Wert.

Robert: Was wäre, wenn du diese beiden dazu kriegen könntest, nicht mehr voneinander ge trenn t zu sein, sondern zu einem Teil von dir zu werden, der sowohl kreativ als auch praktisch sein kann? Dee: Das ist nicht möglich.

Robert: Was macht das unmöglich? Dee: Weil das ein Kompromiß ist.

(Zur Gruppe:) Was wir hören ist, wir werden uns darauf nicht einlassen, denn dann müßten wir miteinander einen Kompromiß eingehen und würden uns gegenseitig beeinträchtigen ...

(Zu Dee:) Ich möchte nicht, daß du eine der beiden beeinträchtigst oder Abstriche machen läßt. In der Tat ist im Augenblick keine der beiden in der Lage, ihre Sache besonders gut zu machen, weil jeweils die andere sie immer davon abhält. Wie könntest du einen Teil von dir haben, der die vollen Ressourcen von beiden hätte, der genauso kreativ ist, wie dieser hier (linke Hand), aber auch genauso praktisch wie dieser (rechte Hand) - wobei du nichts aufgeben müßtest? Du fügst nur Ressourcen hinzu. Wie könntest du etwas kreieren, so daß du genau so viel von dieser hast (rechte Hand) wie von dieser

(linke Hand)? Was zur Zeit passiert, ist, daß sie sich gegenseitig stoppen.

Kennst du jemand, der sowohl kreativ ist als auch sachlich-praktisch, niemals faule Kompromisse eingeht, nicht langweilig ist und nicht frivol?

Dee: Ich weiß vielleicht jemanden. Kann ich jemanden erfinden, von dem ich glaube, daß er so sein könnte?

Robert: Ja. Was macht er? Wie hält er die Balance und bringt diese Dinge zusammen, so daß keiner der beiden beeinträchtigt wird und beide vollen Zugang zu den gesamten Ressourcen haben?

Dee: Mhm ... Ich weiß nicht soviel von ihrem Leben. Kann ich was erfinden?

Robert: Natürlich. Du kannst es so machen, daß diese kreative (linke Hand) ein paar Teile erschaffen kann, und diese hier (rechte Hand) kann es austesten. um zu sehen, ob es praktikabel ist. So bringt der kreative Teil neue Möglichkeiten hervor, und der andere Teil überprüft sie für dich.

Dee: Oh! (Lange Pause) Diese kreative (linke Hand) kommt mit absolut außerordentlichen Ideen, von denen diese (rechte Hand) weiß, daß sie absolut nicht durchführbar sind.

Robert: Das ist wunderbar. Anstatt also die Ideen zurückzuweisen, laß diese (rechte Hand) sie verfeinern. Je weniger durchführbar sie anfangs sind, desto mehr neue Möglichkeiten lassen sie zu. Wenn du sie verwirklichst, findest du vielleicht, daß du Lösungen hervorbringst, bei denen andere Leute steckengeblieben sind, weil sie nicht von solch einem außergewöhnlichen Blickpunkt ausgegangen sind. Kannst du das tun?

Dee: Mhm. Bin schon dabei. Diese hier (rechte Hand) mag die Ideen, aber will sie aufgrund von Geldmangel noch nicht sofort umsetzen. Robert: Mach weiter, und laß sie diese Ideen so umwandeln, daß du sie entweder ohne Geld umsetzen kannst oder so, daß sie dir den Weg zu Geld weisen.

Dee: Oh! OK.

(Zur Gruppe:) Was passierte, bevor wir anfingen, zwischen diesen Teilen zu verhandeln, war, daß sie sofort von der Hand gewiesen wurden. Nun haben wir einen Feedback-Rahmen zwischen ihnen geschaffen. All das macht logischerweise Sinn, aber bevor es nicht installiert wird, macht eine Person es nicht.

Dee: Diese hier (rechte Hand) muß wissen, wo das Geld ist, weil sie das nicht weiß.

Robert: Da kann diese (linke Hand> helfen.

Dee: Mhm. (Ihre Hände beginnen, sich mit ideomotorischen, kleinen ruckartigen Bewegungen aufeinander zu zu bewegen.)

(Zur Gruppe:) Ihr könnt sehen, daß sie ihre Hände nicht bewußt bewegt.

Dee: Dies ist eine ziemlich vorsichtige Beziehung. Robert: Das stimmt.

Dee: Es gibt ein bißchen Vertrauen, aber nicht besonders viel. Robert: Was brauchen sie, um in der Lage zu sein, einander zu vertrauen?

Dee: Erfahrung. Sie müssen weitermachen und die Ressourcen des anderen ausprobieren und erfahren.

Robert: Es gibt etwas, was uns noch fehlt. Jetzt haben wir all diese Ideen hier, aber wann wird der Spaß und die Aufregung dazu kommen? Wenn du erst einmal eine solide Grundlage hast und diese Integration in Gang bringst, dann brauchst du keine Angst mehr zu haben. Denk einmal in Form einer Metapher aus der Chemie darüber nach. Wenn ich zwei Dinge zusammenzubringen hätte, würde ich vielleicht eine chemische Reaktion bekommen. Aber wenn ich dieses hinzufüge und jenes und noch etwas anderes, dann bekomme ich plötzlich eine Lösung, die völlig anders ist. Hier gibt es wahrscheinlich noch viel mehr als eine chemische Metapher, weil du in der Tat chemische Veränderungen im Gehirn bekommst, wenn du die neurologischen Muster, die mit jedem dieser Teile verbunden sind, miteinander integrierst.

Dee: (Ihre Hände bewegen sich immer noch langsam aufeinander zu) Das hier ist verrückt (lachend).

Robert: Je verrückter es ist, desto mehr bist du auf der richtigen Spur. Dee: OK. Ich bin mir darüber nicht zu sicher! (Lachend).

Robert: Dies ist der praktisch-sachliche Teil (rechte Hand), der gerade spricht. Du mußt bei dieser Sache praktisch sein.

Dee: Da ist ein Teil von mir, der sagen will, "weiter so", "weiter so". Diese hier (rechte Hand) ist wirklich unglücklich mit dem da draußen (zeigt nach außen) und will ihm mit dem Finger drohen. Robert: Oh. Dieser praktische Teil (rechte Hand) klagt also den Spaßigen da draußen an.

Dee: Sie will ihm Vorhaltungen machen und ihn zurechtstutzen. Robert: Versteht diese Praktische (rechte Hand), daß die Absicht von ihr dort nicht ist, Schlechtes zu tun und dafür Vorhaltungen gemacht zu bekommen, sondern sicherzustellen, daß du Spaß und Aufregung hast?

Dee: Richtig. Sie versteht es ...

Robert: Aber sie akzeptiert nicht die Art und Weise, in der sie das tut.

Dee: Oder daß sie es tun möchte.

Robert: Sie hat kein Vertrauen, das ist es, was sie möchte.

Dee: Entweder das oder daß sie es in der falschen Art und Weise tun wird.

(Zur Gruppe:) An dieser Stelle kommt etwas von der Verdrängung und den Konfliktpunkten hinein.

(Zu Dee:) Glaubt diese Spaßige (zeigt nach draußen), daß sie Spaß und Aufregung mit diesen beiden haben könnte, wenn du diese

dazu bringst?

Dee: Mhm. Aber diese Praktische (rechte Hand) glaubt das nicht. Diese hier ist wirklich rigide und will. daß es in einer bestimmten Weise getan wird, die schon jetzt nicht funktioniert.",

Robert: Weiß sie das?

Dee: Ja.

Robert: Also, obwohl die Praktische Spaß haben will, ist sie immer noch in dieser Rigidität gefangen? Dann verhält sie sich in einer Weise, wie sie gar nicht will. Welche Ressource braucht dieser Teil, um sich anders zu verhalten?

Dee: Er braucht Erfahrung, die er nicht hat.

Robert: Wie reagierst du in einer Situation, in der du noch keine Erfahrung hast? Dies hier ist ein sehr wichtiger Punkt, der direkt mit der Identität zu tun hat. Du wirst eine andere Person sein. Wie wirst du fähig sein, zu wissen, welche Ergebnisse herauskommen, bevor du es versucht hast? Das Double-Bind dabei ist, daß du denkst: ,.Ich vertraue ihm, nachdem ich es erfahren habe, aber ich werde es nicht erfahren, bevor ich ihm nicht vertraue." Ich will dir nicht erzählen:

"Vergiß den Teil mit dem Vertrauen, geh einfach drauf los und tu es." Das würde wahrscheinlich diese Kreative (linke Hand) sagen und die Praktische (rechte Hand) würde sagen: "Nein. Versuch bloß nichts."

Dee: Richtig. Genau.

Robert: Wie kannst du es machen? Die Kreative hier (linke Hand) weiß es.

Dee: Diese Kreative (linke Hand) weiß es in der Tat.

Dee: Die Abenteuerfreudige (draußen) läßt Filme ablaufen.

Robert: Was wäre, wenn diese hier Filme davon laufen lassen würde, wie man es machen kann und einige solcher Erfahrungen haben kann, und dann laß es diese (rechte Hand) in bezug auf die praktische Umsetzung bewerten.

Die Kreative (linke Hand) wird ihn starten, und die Praktische (rechte Hand) wird ihn stoppen und die Abenteuerfreudige (da draußen) wird den Film darüber zeigen, was passieren würde, wenn es weiterginge.

Robert: Und diese Praktische (rechte Hand) wird den Film editieren, uni sicherzustellen, daß er innerhalb der Grenzen der Praktikabilität bleibt.

Dee: Ja. Dann kann die Kreative (linke Hand) ihr dort (draußen) mehr Information geben.

Robert: Es ist eine Strategie.

Dee: Ja, und dann kann die dort (draußen) den Film noch einmal abspielen und die Praktische (rechte Hand) wird es genehmigen oder nicht.

Robert: Wenn sie es nicht genehmigt, braucht sie es nicht gänzlich zurückzuweisen ... sie kann es verfeinern. Sie braucht nur zu sagen: "Das ist zu beanstanden! - Kannst du einen Teil davon verändern?"

Dee: Das stimmt. Das ist interessant. Die Praktische (rechte Hand) bekommt Information und kann Information geben, und diese hier (dort draußen) editiert und stellt alles zusammen, so daß es paßt.

Robert: Kannst du das tun?

Dee: Ja.

Roben: Kannst du sie alle zusammenbringen?

Dee: Sie sind alle zusammen. Tja, also ... diese dort (draußen) ist immer noch draußen, aber ich schätze, das ist OK.

Robert: Wir wollen sie auch hineinholen.

(Zur Gruppe:) Wir wollen sicherstellen, daß Dee gleichen Zugang zu allen Teilen hat. Wir wollen, daß sie integriert sind.

(Zu Dee:) Wie könntest du sie hineinholen, so daß dieser Teil von dir, der dieses unglaubliche schwarze Loch ausmachte, ein Teil von dir ist? So, daß es ein Teil deines integrierten Du ist, wo du Zugang zu allen deinen Teilen hast?

Dee: Dieser Teil (rechte Hand) denkt, wir sollten diesen Teil dort einfach draußen lassen.

Robert: Ich glaube, daß er das denkt. Aber das wird nicht funktionieren. Was müßtest du jetzt tun, dir zu erlauben, ein besseres Qualitätserlebnis zu haben? Mehr praktisch als unpraktisch zu sein? Dee: OK. Er ist jetzt hier (in der linken Hand).

Robert: Also ist dieser Teil beides: kreativ und spaßig. Im Grunde nimmt sie einen kleineren Schritt. Wir werden diese (dort draußen) zuerst hierher (in die linke Hand) bringen.

Dee: (Die rechte Hand bewegt sich auf die linke Hand zu).

Roben: Diese Praktische (rechte Hand) ist ein klein wenig ängstlicher als diese Spaßig-abenteuerliche (linke Hand). Braucht diese (linke Hand) noch irgend etwas weiteres? Diese hier hat auch Angst um ihre eigene Identität.

Dee: Ich weiß, was diese hier (linke Hand) braucht und bringe es hinein.

Robert: Gut. An diesem Punkt möchte ich sicherstellen, daß alle Einwände berücksichtigt sind und beide das Gefühl haben, daß sie bequem zusammenkommen können, um einen neuen Teil für dich zu formen. Einen, der sowohl kreativ als auch spaßig als auch praktikabel, analytisch ist.

Dee: (Hände bewegen sich mit ideomotorischen Bewegungen aufeinander zu.) Es fühlt sich an, als wenn sie keine weiteren Einwände haben und bereit füreinander sind.